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Zahlt die Versicherung einem Verletzten das angemessene Schmerzensgeld zögerlich, so muß sie letztlich mehr zahlen.

Autounfall mit Feuerwehr
Marina Lohrbach – Fotolia. com

Gerade bei Schmerzensgeldzahlungen halten die Versicherungen den Geschädigten oft lange hin und verweigern häufig auch eine Zahlung, obwohl der Umfang der Verletzung und die Unfallbedingtheit durch Arztberichte nachgewiesen ist.

In einem solchen Fall hat das OLG Naumburg durch Urteil vom 10.07.2014, AZ: 2 U 101/13 klargestellt, daß sich ein solch zögerliches Regulierungsverhalten schmerzensgelderhöhend auswirkt.

Die Klägerin war als Insassin eines Pkw bei einem Unfall schwer verletzt worden.                                                                             Sie erlitt u. a. ein Schädel-Hirn-Trauma mit intrakranieller Blutung aufgrund dessen es zu gravierenden motorischen Defiziten und einer eingeschränkten Hirnleistung, sowie neurologisch-psychiatrischen Störungen kam.

Die beklagte Versicherung zahlte vorgerichtlich ein Schmerzensgeld i. H. von 55.000,-€ und verweigerte dann weitere Zahlungen.

Als die Geschädigte daraufhin Klage erhob, behauptete die Beklagte, die Verletzungen seien nicht unfallkausal, d. h. nicht durch den Unfall verursacht worden. Sie mußte in zwei Instanzen ( zunächst am LG, dann in der Berufung am OLG ) um ihr Schmerzensgeld kämpfen und die Kosten dafür vorstrecken.

Doch es hat sich schließlich gelohnt. Das OLG Naumburg hielt ein Schmerzensgeld i. H. von 150.000,-€ für angemessen.

Als schmerzensgeldveringernd sah das OLG das mit 66 Jahren zum Unfallzeitpunkt recht hohe Alter der Klägerin an. Der Leidensweg eines älteren Geschädigten sei nicht so lang, wie der eines jungen Menschen. Das wird vom BGH in ständiger Rechtsprechung so beurteilt und ist zumindest nachvollziehbar.

Als schmerzensgelderhöhend wertete das Gericht das Regulierungsverhalten der Beklagten. Die anwaltlich vertretene Beklagte habe, obwohl sie selbst auf Rechtsprechung verwies, die ihrer Auffassung nach mit dem Fall der Klägerin vergleich- bar war und wo eine Schmerzensgeldzahlung von 75.000,-€ für angemessen erachtet wurde, dennoch keine über die vorgerichtlich geleistete Zahlung i. H. v. 55.000,-€ getätigt. Dieser Betrag sei aus Sicht der Beklagten erkennbar zu niedrig.

Daher handele es sich um eine treuwidrige, ungebührliche Leistungsverzögerung, die die Klägerin zudem enorm belastete, da sie sich aufgrund der Verteidigungsstrategie der Klägerin dem Anschein einer Simulantin ausgesetzt gesehen habe, die ein unberechtigt hohes Schmerzensgeld erlangen wollte.

Dieses unangemessene Regulierungsverhalten erhöhe das Schmerzensgeld in einem, den aufgrund des Alters der Klägerin vorzunehmenden Abzugs, kompensierenden Maße.

Da die Versicherungen oftmals, gerade, wenn es um Schwer- und Schwerstverletzte geht, die Regulierung verzögern und die Betroffenen in ein gerichtliches Verfahren mit nicht unerheblichem Kostenrisiko zwingen, ist diese Rechtsprechung sehr zu begrüßen. So werden die Versicherungen es sich zukünftig eher überlegen, ob sie nachgewiesenermaßen berechtigte Schmer- zensgeldforderungen mit fadenscheinigen Begründungen ablehnen, oder doch lieber zügig in die Regulierung eintreten.

Über die weiteren Ihnen als Verletztem nach einem Unfall zustehenden Schadensersatzansprüche hatte ich bereits in meinen Blogartikeln vom 14.08., 21.08. und 28.08. referiert.