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Nach einem Unfall müssen Sie nicht die Restwertangebote der Versicherung abwarten.

Unfall
joegast – Fotolia.com

Es ist immer wieder ein leidiges und oft mit viel Ärger verbundenes Thema.

Sie haben einen Unfall, ein – möglichst von Ihnen oder Ihrer Werkstatt beauftragter – Sachverständiger begutachtet den an Ihrem Fahrzeug entstandenen Schaden und kommt zu dem Schluß, daß ein (wirtschaftlicher) Totalschaden vorliegt.

Daraufhin holt der Sachverständige Restwertangebote ein und das Höchste davon wird im Gutachten als Restwert vom Wieder- beschaffungswert abgezogen.

Das Gutachten wird der Versicherung zusammen mit einer Schadensaufstellung und der Aufforderung zur Zahlung des Scha- densbetrages zugesandt und was kommt zurück?!

Ein (angeblich) wesentlich höheres, von der Versicherung eingeholtes, Restwertangebot.

Problematisch wird das dann, wenn man das Auto inzwischen, oft an die Vertragswerkstatt, zu dem niedrigeren Restwertange- bot aus dem Gutachten veräußert hat. Die Versicherung zieht nämlich stur den höheren Restwert vom Schaden ab.

Dem hat das LG Köln in seiner Entscheidung vom 08.10.2014, Az: 13 S 31/14 einen Riegel vorgeschoben.

Es hat in seiner Entscheidung klar festgehalten, daß der geschädigte Kläger nicht verpflichtet ist, ein Restwertangebot des Schä- digers, bzw. seiner Versicherung, abzuwarten.

In dem dort zu entscheidenden Fall hatte der Kläger einen öffentlich bestellten Sachverständigen mit der Erstellung eines Schadensgutachtens beauftragt, der einen Totalschaden feststellte und den Restwert aufgrund von Angeboten einer Restwert- börse auf 530,- € festsetzte. Dieses Gutachten sandte der Kläger am 14.12. an die beklagte Haftpflichtversicherung, welcher es erst am 20.12.  zuging. Am 21.12. veräußerte der Kläger sein Fahrzeug zu dem im Gutachten angegebenen Restwert.

Es kam wie es kommen mußte: Die Versicherung übermittelte dem Kläger mit Schreiben vom 07.01. ein Restwertangebot über 1.390,- € und legte dieses Angebot trotz aller Einwände des Geschädigten der Regulierung zugrunde.

Der Kläger forderte nunmehr gerichtlich den sich aus dem von ihm realisierten und von der Versicherung zugrundegelegten Restwert ergebenden Differenzbetrag ein.

Das erstinstanzlich mit dem Fall betraute AG Köln wies die Klage unter dem Hinweis auf die Rechtsprechung des OLG Köln, welches die Auffassung vertritt, daß der Geschädigte dem Schädiger die Möglichkeit geben muß, ein höheres Restwertangebot zu unterbreiten (OLG Köln, NJW-RR 2013, 224), ab.

Das mit der hiergegen eingelegten Berufung des Klägers betraute LG Köln sah das jedoch anders.

Es führte aus, daß der Geschädigte mit der Einholung eines Gutachtens durch einen öffentlich bestellten Sachverständigen seiner Darlegungs- und Beweislast zur Schadenshöhe genügt hat. Auch der BGH stelle in seiner Rechtsprechung darauf ab, daß in den Fällen, in denen das Gutachten, wie im zu entscheidenden Fall, eine konkrete Restwertermittlung unter Berücksichtigung des regionalen Marktes enthalte, der Geschädigte das Fahrzeug auch zu diesem Restwert verkaufen darf (BGH NJW, 2005, 3134). Der Versicherung des Schädigers sei es dann unbenommen, ihrerseits nachzuweisen, daß auf dem regionalen Markt ein höherer Restwert hätte erzielt werden können.

Gelingt dies der Versicherung stellt sich die interessante Frage, ob dann nicht der beauftragte Sachverständige für den Differenz- betrag haftet. Da die Sachverständigen in der Regel die Restwertangebote aus internetbasierten Restwertbörsen ermitteln, was in jedem Fall auch nach der Rechtsprechung ausreichend ist, dürfte dieses Risiko gering sein.