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Der Schrecken der Autofahrer: Die MPU-Untersuchung, landläufig auch „Idiotentest“ genannt.

MPU #121028-001
FM2 – Fotolia.com

In diesem Artikel möchte ich erläutern, wann eine MPU (Medizinisch-Psychologische-Untersuchung) angeordnet wird, wie diese abläuft und ob und wie man sich darauf vorbereiten kann  und sollte.

Die häufigsten Fälle, in denen eine MPU angeordnet wird, sind mit über 50% die Fahrten unter Alkoholeinfluß. Wer mit einem Blutalkoholwert von  1,6 Promille oder mehr hinter dem Steuer erwischt wird, muß zur MPU, das ergibt sich aus § 13 FeV(Fahrerlaubnisverordnung). Bei Wiederholungstätern reicht bereits ein deutlich niedrigerer Wert aus. Hier kann schon ab 0,5 Promille eine MPU angeordnet werden.

Auf Platz zwei landen die Fahrten unter Drogen- und Medikamenteneinfluß mit 21%. Die Polizei nimmt hier bei Verdacht von Drogeneinfluß oftmals den Drogenwischtest (meist als Speicheltest) zur Hilfe, mit welchem sich selbst kleinste Mengen von Cannabis, Heroin, Kokain, Ecstasy und diversen anderen Drogen nachweisen lassen. Bei diesen illegalen Drogen gilt eine Null-Toleranz-Grenze, d. h. auch der Nachweis kleiner  Mengen reicht aus um eine MPU anzuordnen.

Sonstige Anlässe, wie Auffälligkeiten im Fahrverhalten und körperliche Mängel machen zusammen knapp 30% aus. Auch diejenigen, die ihr Punktekonto auf (jetzt) 8 Punkte aufgefüllt haben und deswegen den Führerschein abgeben mussten, können von der Führerscheinstelle oder dem Gericht das Bestehen einer MPU zur Auflage für die Wiedererteilung einer Fahrerlaubnis gemacht bekommen.

 

Was passiert bei einer MPU, wie läuft sie ab?

Eines vorab: Mit Klötzchen stapeln oder anderen eigenartigen Dingen hat der „Idiotentest“ nichts zu tun.

Es müssen vielmehr schriftliche Fragen zum Lebenslauf, Gesundheitszustand und Anlass der Untersuchung beantwortet werden. Zumeist im Anschluß daran erfolgt ein Leistungstest am Computer, bei welchem Schnelligkeit, Genauigkeit, Konzentration und vor allen Dingen Durchhaltevermögen gefragt ist.

Im Rahmen der medizinischen Untersuchung wird dann ermittelt, ob eine genügende Kraftfahrtauglichkeit besteht. Bei alkohol- oder drogenbedingtem Entzug der Fahrerlaubnis werden Konsumgewohnheiten durch Laboruntersuchungen erkundet. Zudem werden Fragen nach dem Zusammenhang des Alkohol- oder Drogenkonsums mit früheren Lebensumständen und der heutigen Lebenssituation gestellt.

Zum Schluß kommt dann der wichtigste und gleichzeitig -zu Recht- gefürchteste Teil: Das psychologische Gespräch.

Hieran scheitert fast die Hälfte der ca. 100.000 Verkehrsteilnehmer, die jährlich zu dieser Untersuchung müssen. Dieses Gespräch kann fast eine Stunde dauern und der Psychologe stellt neben solchen zum Lebenslauf insbesondere Fragen zum Ablauf und der Ursache der zum Entzug der Fahrerlaubnis führenden Gesetzesverstöße. Dann werden die von dem Betroffenen daraus gezogenen Lehren erörtert. Nur dann, wenn es ihm gelingt dem Psychologen genügend positive Unterschiede zwischen früher und heute darzulegen und diesen davon zu überzeugen, dass er aus dem damaligen Fehlverhalten Lehren gezogen hat, die ein erneutes Fehlverhalten im Straßenverkehr nicht erwarten lassen, gibt es eine positive Beurteilung.

 

Eine ebenfalls häufig gestellte Frage ist die danach, ob man sich auf den Test vorbereiten kann und soll.

Die Antwort hierauf lautet grundsätzlich: Ja!

Wer unvorbereitet in den Test geht hat kaum eine Chance, ihn zu bestehen. Experten raten daher, einen MPU-Vorbereitungskurs zu besuchen.

Doch wie findet man sich in dem Dschungel von Angeboten und Anbietern zurecht? Welcher Anbieter ist seriös?

Vorsicht ist in jedem Fall geboten, wenn ein postives Gutachten nach Absolvieren des Kurses „garantiert“ wird. Diese Garantie ist wertlos und man muss kein Prophet sein um zu vermuten, dass man für diese „Garantie“ wahrscheinlich auch noch (zu) viel Geld bezahlen muß. Auch Anbieter, die mit „Schauspielkursen“ zur Täuschung der Psychologen werben, sind (wohl) in die Kategorie „Abzocke“ einzuordnen.

Qualifizierte und seriöse MPU-Vorbereitungskurse zeichnen sich zunächst einmal durch kompetente Ansprechpartner aus. Weiterhin sollten folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • Die Ansprechpartner sind entweder Diplomsozialarbeiter oder Diplom-Psychologen oder Psychotherapeuten mit Erfahrung in der Suchtbehandlung oder verkehrstherapeutischer Zusatzqualifikation
  • Ihnen werden von diesen Fachleuten klare Antworten auf Fragen zum Vorgehen, den Kosten und Zielen der Maßnahme und keine allgemeinen und unverbindlichen Floskeln gegeben.
  • Die Ansprechpartner kooperieren eng mit den örtlichen MPU-Stellen
  • Sie können regelmäßige Fortbildungen nachweisen
  • Die Maßnahme wird individuell auf Ihre Probleme und Voraussetzungen angepasst
  • Es werden keine Vorabzahlungen verlangt
  • Der für sie zuständige Therapeut kann nachweisen, dass andere Klienten den Test bestanden haben, gibt aber keine Garantie für eine positiver MPU
  • Es wird ein angemessenes branchenübliches Honorar, welches zwischein 60,- und 100,-  pro Stunde liegt, in Rechnung gestellt

 

Was kostet die MPU?

Der Betroffene muß die Kosten der MPU selber tragen. Diese liegen bei Fahren unter Alkoholeinfluß bei ca. 400,-€, wenn Drogen im Spiel waren bei ca. 550,- € und bei einem punktebedingten Verlust bei knapp 350,- €. Zusammen mit dem Vorbereitungskurs muß man mit Kosten von rund 1.500,-  rechnen. Besteht man dann nicht, fallen diese Kosten erneut an.