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Unfallschaden und Ersatz fiktiver Reparaturkosten

Young man mechanical worker repairing an old vintage car body in messy garage - Safety at work with protection wear
ViewApart – Fotolia.com

Nach einem Unfall, den Sie nicht verschuldet haben, haben Sie Anspruch auf Ersatz der Reparaturkosten. Oftmals besteht die Möglichkeit, das Fahrzeug durch einen befreundeten oder gar verwandten Kfz-Mechatroniker reparieren zu lassen.

Doch was kann ich dann von dem Unfallverursacher, bzw. dessen Haftpflichtversicherung an Schadensersatz verlangen?

In jedem Fall sollte – wenn es sich nicht um einen Bagtellschaden ( unter ca. 1000,- € ) handelt -, ein Sachverständigengutachten eingeholt werden, das die Schadenshöhe und damit auch die in einer Fachwerkstatt für die Reparatur anfallenden Kosten dokumentiert.

Doch was dann tatsächlich zu erstatten ist, war und ist oftmals umstritten.

Der BGH hat hierzu in einer Entscheidung ausgeführt, dass bei einer fiktiven Abrechnung der Geschädigte einen Anspruch lediglich auf Zahlung der tatsächlich angefallenen Bruttoreparaturkosten hat und nicht, was häufig praktiziert wurde, auf Ersatz der fiktiven, im Gutachten ausgewiesenen, Nettoreparaturkosten zuzüglich der tatsächlich angefallenen Umsatzsteuer.

Das heißt, dass, wenn ich eine Werkstatt mit der Reparatur beauftrage, die mir für eine fachgerechte Reparatur meines Fahrzeugs weniger berechnet, als im Gutachten kalkuliert, ich auch nur diesen tatsächlich mir für die Reparatur in Rechnung gestellten Betrag von der gegnerischen Haftpflichtversicherung erstattet bekomme.

Was aber kann ich verlangen, wenn ein Verwandter oder Bekannter vom Fach ist und mir das Fahrzeug unentgeldlich repariert?

Ein solcher Fall lag dem OLG Koblenz in zweiter Instanz zur Entscheidung vor.

Der Lebensgefährte und der Schwiegervater in Spe der Geschädigten reparierten den Pkw kostenlos.

Hier entschied das OLG, dass, wie auch in den Fällen, in denen der Geschädigte die Reparatur selbst ausführt, dieser Anspruch auf Ersatz der fiktiven, im Gutachten aufgeführten, Nettoreparaturkosten hat. Es handele sich bei einer solchen unentgeldlichen Reparatur um einen überobligatorischen Verzicht, der nicht zu einer Entlastung des Schädigers führt.

Diese Entscheidung ist nach meinem Dafürhalten zutreffend. Wenn man das Glück hat, dass jemand aus der Verwandschaft oder dem Freundeskreis in der Lage ist, eine fachgerechte Reparatur durchzuführen und das auch noch kostenlos, dann muß auch der Geschädigte diesen Vorteil, der ja aus seinem „Einflußbereich“ stammt, für sich beanspruchen können.